Das solltest du tun, wenn deine Trading-Strategie nicht mehr funktioniert
Januar 2022 – Felix Hövelborn · 3 Min Lesezeit
Häufig erreicht mich die Frage, was zu tun ist, wenn eine Strategie von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktioniert. Meine erste Antwort: Ruhe bewahren. Die zweite: Die Ursachen analysieren.
In den meisten Fällen lässt sich das Problem einer von zwei Varianten zuordnen — Gründe, die bei dir liegen, oder Gründe, die beim Markt liegen.
Variante 1: Der Markt hat sich geändert
Der Markt ist kein festes System mit unveränderlichen Regeln. Er verändert sich ständig. Algorithmen werden angepasst. Liquiditätsbedingungen ändern sich. Sektoren verlieren an Relevanz, andere gewinnen sie.
Was vor zwei Jahren konsistent funktioniert hat, kann heute statistisch irrelevant sein. Das ist keine Schwäche deiner Strategie — das ist die Realität der Märkte.
Das Tückische: Es passiert schleichend. Nicht von einem Tag auf den anderen, sondern über Wochen und Monate. Die Win-Rate sinkt leicht. Die durchschnittlichen Gewinne schrumpfen. Man wartet, ob es sich wieder einpendelt. Oft tut es das nicht.
Diagnose: Schau dir deine Statistiken über die letzten drei bis sechs Monate an. Hat sich die Win-Rate verändert? Hat sich das durchschnittliche Gewinn-Verlust-Verhältnis verschlechtert? Wenn ja, liegt das Problem wahrscheinlich nicht bei dir.
Variante 2: Du hast dich verändert
Manchmal liegt das Problem nicht am Markt, sondern am Trader.
Du hast angefangen, Stopps zu verschieben. Du gehst in Trades, die dein System eigentlich nicht erlaubt. Du verkaufst Gewinner zu früh, weil du Angst hast, den Profit zu verlieren. Du machst Revenge Trades nach Verlusten.
Das sind keine Marktprobleme. Das sind Verhaltensprobleme.
Und sie sehen aus wie ein kaputtes System — weil die Ergebnisse schlechter werden. Aber das System ist nicht kaputt. Du hast aufgehört, es konsequent umzusetzen.
Diagnose: Schau in dein Trading-Journal. Halte ich meine Einstiegsregeln ein? Halte ich meine Stop-Loss-Regeln ein? Weiche ich vom Plan ab — und wenn ja, bei welchen Trade-Typen?
Was das mit adaptiven Systemen zu tun hat
Wer eine fertige Strategie kauft, hat in beiden Szenarien ein Problem.
Wenn der Markt sich ändert: Die Strategie passt sich nicht an, weil du nicht weißt, auf welchen Annahmen sie basiert. Du weißt nur, dass sie aufgehört hat zu funktionieren.
Wenn du dich veränderst: Du kannst nicht diagnostizieren, was falsch läuft, weil du das System nie wirklich verstanden hast. Du kennst die Regeln — aber nicht das Warum dahinter.
Ein adaptives System ist das Gegenteil. Du verstehst die Grundlage: Marktstruktur, Preisreaktion, relative Stärke. Du weißt, warum ein Setup funktioniert. Wenn es aufhört zu funktionieren, kannst du erkennen warum — und gezielt nachjustieren.
Das ist der Unterschied zwischen einem Handwerk und einem Rezept. Wer kochen kann, schmeißt keine Küche weg, wenn ein Gericht nicht gelingt. Er passt die Zutaten an.
Was du konkret tun solltest
- Pause machen. Nicht weitermachen und auf Besserung hoffen. Mindestens zwei Wochen nur beobachten, kein echtes Geld.
- Statistiken auswerten. Win-Rate, Gewinn-Verlust-Verhältnis, maximaler Drawdown — die letzten drei Monate versus die drei Monate davor.
- Journal durchgehen. Gibt es Abweichungen vom System? Wenn ja: Das ist dein Problem, nicht der Markt.
- Marktbedingungen prüfen. Ist das aktuelle Umfeld ähnlich wie die Phase, in der das System entwickelt wurde? Trendphasen, Seitwärtsphasen und Einbrüche verlangen unterschiedliche Ansätze.
- Eine Variable ändern, nicht alle. Der häufigste Fehler: alles gleichzeitig umschmeißen. Dann weißt du nicht, was geholfen hat.
Wenn du ein System aufbauen willst, das du selbst verstehst und anpassen kannst, schau dir unser Ausbildungsprogramm an.
Felix Hövelborn
Gründer von WirmachenTrader. Handelt seit über 14 Jahren. Experte für US-Aktien.